Der typische Immobilien-Anleger vergisst schnell. Obwohl die Zeichner in den vergangenen Jahren mit einigen offenen Immobilienfonds in die Abwicklung geraten sind, bekommen nun neue Angebote eine Chance. Darin unterscheiden sich die offenen Fonds deutlich von den geschlossenen. Hier verzeihen die Kunden offenbar noch nicht so leicht. Die Umsätze bei den AIF liegen gerade einmal bei rund zehn Prozent vergangener Höchststände.

Doch zurück zu den offenen Fonds. Der Deutsche Fondsverband BVI hat bis Ende November 2018 ein Mittelaufkommen von 5,6 Milliarden Euro ermittelt. Reinhard Kutscher, Geschäftsführer der Geno-Tochter Union Investment, rechnet mit sieben Milliarden Euro für das komplette Jahr 2018. Die Fonds aus seinem Hause zählen zu den Schwergewichten der Branche – ebenso wie die Angebote der Deka, der DWS und von CommerzReal. Sie zusammen kommen auf Mittelzuflüsse von 5,3 Milliarden Euro.

Erfolgreich ist auch der vergleichsweise neue Fonds von Union Investment. So konnte der „UniImmo: Wohnen ZBI“ rund die Hälfte des gesamten Union-Zuflusses von 1,3 Milliarden Euro für sich verbuchen. Wohnen ist offenbar in und die Anleger betrachten den offenen Fonds als Alternative zur vermieteten Eigentumswohnung mit ihren individuellen Risiken wie Rückständen oder Mietnomaden. Und professionelles Management von Wohnimmobilien ist in Zeiten der Mietpreisbremse reloaded mehr denn je erforderlich.

Doch auch andere Newcomer sind in der Erfolgsspur. So musste der „Leading Cities Invest“ von KanAm zum Jahresende wieder einen Cash-Stop verhängen, weil die Anleger mehr Kapital einzahlen wollen als der Anbieter derzeit in passende Immobilien investieren kann. Gut läuft es auch bei Swiss Life. Zwar stammt der Nettomittelzufluss in Höhe von rund 100 Millionen Euro teilweise aus Konzerngeldern, doch wird der Fonds auch zunehmend für Dritte interessant. Die Performance liegt im Plan, das Portfolio ist gut diversifiziert. Meine Prognose: Dieser Fonds schafft 2019 den Durchbruch.

Überrascht hat uns die Ankündigung der Schweizer Bank UBS. Sie will den UBS-Euroinvest neu positionieren und legt per Anfang März 2019 eine neue Anteilsklasse für Privatkunden auf. Sie steigen in ein diversifiziertes Immobilienportfolio an zahlreichen internationalen Standorten eines renommierten Anbieters ein. In Kauf nehmen müssen sie allerdings, dass der Fonds derzeit nicht auf deutschen Märkten investiert ist. Außerdem haben die bislang ausschließlich institutionellen Investoren kurz vor der Neupositionierung noch einmal knapp 200 Millionen Euro abgezogen. Das Fondsvermögen liegt somit aktuell bei rund 800 Millionen Euro. Zeigen muss sich auch, ob der Fonds seine negative Performance aus der Vergangenheit nachhaltig ins Gegenteil drehen kann. Durch Verkäufe und Neubewertungen rutschte er zwischenzeitlich zweistellig ins Minus. Mein Fazit: Anleger sollten die Entwicklung des Fonds erst einmal mit einer gewissen Distanz verfolgen.

Schon auf der Expo Real im vergangenen Jahr hatte KGAL seinen ersten offenen Fonds angekündigt. Im März will das Unternehmen mit dem „KGAL Immosubstanz“ in den Vertrieb gehen. Auf mich wirkt er leider derzeit noch wie ein „Me-Too-Produkt“ ohne Alleinstellungsmerkmal. Den Fokus auf europäische Objekte mit Schwerpunkt Büro und Einzelhandel haben wir schon x Mal gesehen. Bislang hat der Fonds erst zwei kleinere Objekte im Einzelhandelsbereich angebunden. Da fehlt mir noch der echte Mehrwert für die Anleger.

An professionelle wie private Anleger gleichermaßen richtet sich Quadoro mit seinem „Vontobel Sustainable Real Estate Europe“. Sie sollen sich über einen kontinuierlichen Wertzuwachs von drei bis vier Prozent freuen. Wie der Name sagt, spielt die Nachhaltigkeit der Immobilien dabei eine wichtige Rolle.

Endgültig Tschüss gesagt hat Lloyd Fonds. Zunächst wollte das Unternehmen über eine Aktien-Struktur in den Sozialen Wohnungsbau investieren, später dann mit einem offenen Immobilienfonds. Doch das Thema scheint vom Tisch zu sein. Schade, dass sich niemand für dieses Segment erwärmen kann – der Bedarf an günstigen Wohnungen ist enorm. Dafür will sich das ehemalige Emissionshaus mit früherem Fokus auf Schiffsfonds künftig als „vollwertiger, bankenunabhängiger Asset-Manager“ mit zunächst fünf offenen Wertpapierfonds positionieren. Wartet jemand darauf? Nun denn.