Deutsche Privatanleger waren von der Politik Donald Trumps abgeschreckt

Im Platow-Brief habe ich gelesen, dass die amerikanische Immobilienwirtschaft mit großer Mehrheit auf eine Wiederwahl von Donald Trump gesetzt und sich von einer zweiten Amtszeit des Immobilien-Tycoons positive Effekte für die eigenen Geschäfte versprochen hat. Unabhängig davon, dass ich mir eigentlich gar nicht vorstellen will, dass jemand Profit und Gewinn haushoch über Anstand und Demokratie stellt, will mir auch nicht einleuchten, wie Trump die Immobilienwirtschaft befeuern kann. Das würde vielleicht gelingen, wenn die USA unter Trump die Corona-Pandemie in den Griff bekommen hätte, aber davon kann bei seiner Verharmlosung der Krankheit und parallel dazu mehr als 250.000 Toten seit Jahresbeginn keine Rede sein.

Denn natürlich ist Covid 19 für die negative Entwicklung der US-Immobilienwirtschaft verantwortlich. Aktuelle Zahlen von CBRE lassen keine andere Interpretation zu. So brachen die Vermietungen auf den Büromärkten im dritten Quartal 2020 um 40 Prozent ein. Und nicht nur das. Die Unternehmen mieteten nicht nur kaum neue Flächen an, sondern zogen aus ihren Büros aus. Unter dem Strich steht ein Leerzug von mehr als drei Millionen Quadratmetern. Das ist mehr als im Zuge der Finanzkrise.

Dabei leiden die eigentlich gefragten Bürometropolen besonders unter dieser Entwicklung. Denn 90 Prozent des kompletten Minus verteilen sich auf Kalifornien, Texas und die New-England-Region im Nordosten der USA zwischen New York und Boston. So stehen in Manhattan derzeit fast eine Million Quadratmeter mehr leer als vor der Pandemie, was ein Minus von 2,5 Prozent bedeutet. Noch gravierender ist der Rückgang mit 3,3 Prozent in San Francisco, auch wenn das in konkreten Zahlen auf Grund des kleineren Marktes nur ein negatives Ergebnis von knapp 400.000 Quadratmetern bedeutet.

Die Mieteinnahmen reagieren mit Verzögerung. Sie stiegen laut CBRE im dritten Quartal sogar noch an, und zwar um ein Prozent gegenüber dem zweiten Quartal und sogar um rund vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch das dürfte nur die halbe Wahrheit sein, denn die Makler berichten von Incentives und mietfreien Zeiten, um Nutzer zu gewinnen oder zu halten.

Apropos Wahrheit. Die deutschen Anleger können oder wollen offenbar nicht zwischen Politik und Investment trennen. Das gilt vor allem für private Fondszeichner. So berichtet Wolfgang Kunz, Geschäftsführer der DNL-Gruppe, einem Vertriebsunternehmen für geschlossene US-Immobilienfonds, im Gespräch mit dem Fondsbrief, dass der typische Privatinvestor vom faktenfreien Politikverständnis eines Donald Trump abgeschreckt war. Daran hat auch seine Steuerpolitik kaum etwas geändert – auch wenn die Fondszeichner von der Steuerreform der Republikaner profitierten. Abschreibungen und Verrechnungsmöglichkeiten führten dazu, dass die Erträge weitgehend steuerfrei blieben. Marktbeobachter rechnen damit, dass die neue US-Regierung an dieser Regelung nicht lange festhalten wird. Denkbar ist, dass sie erneut einen Freibetrag für ausländische Investoren einführt. Die letzte Grenze lag bei 4.400 Dollar im Jahr. Überstiegen die Ausschüttungen diesen Wert, galten erheblich günstigere Sätze als in Deutschland.

Aber egal, was den Investoren unter dem Strich bleibt, viel wichtiger ist ihnen offenbar eine verlässliche Politik. Denn auch darüber spricht Wolfgang Kunz im Fondsbrief: „Bereits vor der Wahl haben wir von vier großen Investoren Reservierungen in Höhe von insgesamt zwölf Millionen Dollar bekommen für den Fall, dass Joe Biden tatsächlich gewinnt. Diese Investitionen werden nun von den Family Offices konkret geprüft.“

Nach dem Wiedereinzug der Vernunft ins Weiße Haus sollte ein faktenbasiertes Covid-Krisenmanagement helfen, die schlimmsten Folgen der Pandemie zügig in den Griff zu bekommen. Die US-amerikanische Wirtschaft reagiert erfahrungsgemäß schnell auf Umfeldverbesserungen.  Es ist deshalb nach meiner Erwartung nur noch eine Frage der Zeit, bis wir neue offene Immobilienfonds mit dem Fokus auf Nordamerika sehen werden. Sinnvoll ist es jetzt allemal.