Drittes Sachwerte-Kolloquium – Gast-Kommentar von Fondsbrief-Chefredakteur Markus Gotzi

Zwei Mal ist Wiederholung – drei Mal ist Tradition. So gesehen war das von Friedrich Andreas Wanschka, Stefan Loipfinger und mir organisierte, dritte Sachwerte-Kolloquium in München eine Traditions-Veranstaltung. Rund 100 Vorstände, Geschäftsführer, Rechtsanwälte und Vertriebsentscheider kamen zum „Klassentreffen“ der Branche, um darüber zu sprechen, wie es nach vorne gehen kann. Denn ein „weiter so“ darf es nicht geben. Das belegten die Marktumsätze des vergangenen Jahres, die Stefan Loipfinger ermittelte.

Worin liegt die Zukunft der strukturierten Immobilien-Beteiligungen? In den offenen Fonds oder in den geschlossenen AIF? Argumente sprechen für beide Varianten. Aber auch dagegen. Das arbeiteten die Teilnehmer der Diskussionsrunden heraus. So erwarten die Anleger geschlossener Fonds deutlich höhere Renditen als die Zeichner offener Angebote – müssen dabei aber Abstriche bei der Fungibilität machen. Zahlen die offenen Fonds deutlich höhere Preise als die Manager der geschlossenen Modelle? Offenbar haben die offenen Fonds tatsächlich die dicksten Taschen – warum sonst sollten sie zumindest zeitweise kein neues Kapital aufnehmen? Sie sind gezwungen, Immobilien zu kaufen. Schließlich kostet das Kapital auf dem Festgeld inzwischen Strafzinsen. Daher zahlen die offenen Fonds nicht selten Preise, bei denen die Konkurrenz längst abgewunken hat. Und das nimmt ihnen offenbar kein Anleger übel.

Die Branche der geschlossenen Modelle hat sich dagegen mehr als fünf Jahre nach Einführung des Kapitalanlagegesetzbuchs noch immer nicht von ihrem schlechten Image erholt. Und leider tragen aktuelle Entwicklungen nicht gerade dazu bei, Vertriebe und Anleger zu beruhigen. Stichwort: Container-Pleite P&R. „Aber es hilft ja alles nichts. Die Branche muss sich das Vertrauen zurückerobern“, resümierte Thorsten Voss, Rechtsanwalt und Partner der Anwaltskanzlei Fieldfisher in seinem Vortrag.

Die Voraussetzungen dazu sieht Andreas Heibrock, Geschäftsführer von Patrizia Grundinvest und Präsidiums-Mitglied im ZIA, durch das Kapitalanlagegesetzbuch gegeben: „Wir sind inzwischen genauso reguliert wie die offenen Fonds. Die Anbieter könnten sich und ihre Produkte daher mit breiter Brust bei Vertriebspartnern vorstellen.“ Tatsächlich wiegen die schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit häufig noch zu schwer.

Das zumindest ist ein Ergebnis einer Umfrage des Bundesverbandes Finanzdienstleistung AfW unter rund 1.400 freien Vermögensvermittlern. Die Hälfte der befragten Vermittler fassen AIF oder vergleichbare Sachwertbeteiligungen aus genau diesem Grund nicht mehr an. Das berichtete Vorstandsmitglied Matthias Wiegel. Gleichzeitig sagten jedoch auch 43 Prozent der Berater, sie würden mehr AIF vertreiben, sobald sie mehr Argumente über positive Veränderungen durch die Einführung des Kapitalanlagegesetzbuchs KAGB bekommen würden. 

Mit dem dritten Kolloquium haben Friedrich Andreas Wanschka, Stefan Loipfinger und ich als Veranstalter die Kritik des vergangenen Jahres umgesetzt. Und wenn wir den Teilnehmern glauben dürfen, war diesmal mehr Zug in den Moderationen und Diskussionen. Zumindest ist das auch unser eigener Eindruck. Dass die Themen teilweise immer noch negativ geprägt sind, ist unerfreulich. Aber leider Realität. Hier müssen alle Beteiligten weiterhin intensive Aufklärungsarbeit betreiben.