Corona macht nervös. Das ist zwar nur eine Nebenwirkung der Infektionskrankheit, aber sie trifft auch diejenigen, die sich nicht angesteckt haben. Auch die Immobilienbranche. Über die Konsequenzen lässt sich nur spekulieren. Fallen die Preise, steigen die Leerstände, halten Nutzer ihre Mietzahlungen zurück? Oder steigt die Nachfrage nach Immobilien? Sind Wohnungen tatsächlich der sichere Hafen für private und institutionelle Investoren? Die Antworten können lauten „ja“ und „nein“. Wir wissen es nicht. Möglich ist alles.

Immerhin zeigen sich einige positive Entwicklungen. So sind die Kurse für gebrauchte geschlossene Immobilienfonds an der Zweitmarktbörse im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum letzten Quartal 2019 deutlich gestiegen. Ebenso wie das Handelsvolumen. Für mich ein Beleg für die Bedeutung von Immobilien in Krisenzeiten.

Das Neugeschäft mit Publikums-AIF liegt dagegen einigermaßen brach. Kein Wunder, ist der Verkauf von Anteilen an geschlossenen Fonds doch immer noch beratungsintensiv. Digital und direkt ohne Vermittler wird sich kaum jemand beteiligen. Und doch gibt es Ausnahmen. Habona Invest zum Beispiel hat den Vertrieb seines aktuellen Publikums-AIF vor wenigen Tagen gestartet – immerhin ein Angebot mit einem Eigenkapitalvolumen von 50 Millionen Euro. Wie bei den Vorgänger-Fonds finanzieren Anleger ein Portfolio aus Supermärkten und Lebensmittelhändlern. Ein Immobilien-Segment, dass derzeit wohl keine Verkaufsargumente benötigt. Dass die Nahversorger geöffnet haben, während sonst so gut wie alle anderen Einzelhändler ihre Türen schließen mussten, hat jeder registriert.

Aus diesem Grund traut sich auch die Hahn-Gruppe in diesen Zeiten mit einem neuen Angebot an den Markt. Zeichner beteiligen sich hier ebenfalls an einem Supermarkt. Hahn rechnet damit, dass alleine die Zahl der erfahrenen Wiederanleger ausreicht, um das Eigenkapital in Höhe von rund 30 Millionen Euro zu platzieren.

Gefragt sind aber auch Anteile an offenen Immobilienfonds. Wertgrund zum Beispiel hat den Cash-Stopp bei seinem aktuellen Wohnungsfonds Ende März für eine Woche unterbrochen und in dieser Zeit weit über 60 Millionen Euro eingesammelt. Offenbar sind Anleger in diesen Zeiten froh über Gelegenheiten, ihr Kapital in Immobilien anzulegen. 

Stichwort offene Immobilienfonds. Derzeit kursieren einige Fehlinformationen über die Vergleichbarkeit deutscher offener Fonds mit den ähnlich konzipierten britischen UK Property Trusts. Doch die Unterschiede sind gewaltig. Entscheidend sind unter anderem die differenzierenden Bewertungssysteme. So werden die britischen Trusts im „Red Book Verfahren“ zeitnah bewertet, was die Immobilien deutlich volatiler macht. Und wenn keine Transaktionen stattfinden, gibt es in diesem Verfahren auch keine neuen Bewertungen. Hinzu kommen deutliche Rücknahme-Abschläge von bis zu 17 Prozent der Anteilswerte, die das Kapital der Investoren zusätzlich vernichten.

Außerdem schlagen sich die UK Property Trusts schon seit der Ankündigung des Brexit im Juni 2016 mit Problemen herum. Sie investieren nur in Immobilien in UK, es fehlt eine Risikodiversifikation über die Ländergrenzen hinweg.  Seitdem haben britische Immobilien an Wert verloren. Die aktuelle Krise potenziert die missliche Lage nur. Also, kein Grund zur Panik hierzulande. Bleiben Sie gesund.