Wo verbringen die Reichen ihre Freizeit? Glauben wir den PR-Managern der Immobilien-Crowd-Plattform Exporo, dann treffen sie sich typischerweise beim Kammerkonzert und auf dem Golfplatz. Zu sehen sind die TV-Spots vor den Nachrichten oder der Sportschau. „Ich habe gehört, du investierst jetzt auch in Immobilien?“ „ Ja, bei Exporo.“ Keine Ahnung, wie viele Millionen die Werbe-Kampagne verschlungen hat, eines hat sie jedenfalls erreicht: Exporo steht für Immobilien-Crowd-Plattform wie McDonalds für Fast Food und der BVB für Fußball. So etwas ist nicht immer positiv. Läuft es beim Marktführer nicht wie geplant, erfährt das deutlich mehr Aufmerksamkeit als Fehlentwicklungen bei einem No-Name der Branche. Mitte November informierte das Unternehmen erstmals Anleger darüber, dass es zwei Projektentwicklungen erwischt hat. Die Finanzierungs-Partner haben für das „Portfolio Marburg“ und „das Portfolio Marburg II“ Insolvenz angemeldet.

Das ist zunächst einmal kein Skandal. Anders als suggeriert, ist gerade eine Crowd-Finanzierung ein unternehmerisches Investment. Verluste sind daher nicht auszuschließen. Fraglich ist allerdings, warum eine Projektentwicklung in boomenden Märkten platzt. Oder erleben wir mit den Insolvenzen gerade Frühindikatoren, die auf ein Ende des Projektentwicklungsbooms hindeuten? Dem Vernehmen nach handelt es sich zwar weniger um klassische Projektentwicklungsrisiken, die zu den Insolvenzen geführt haben. Vielmehr liegen die Probleme in der generellen Zahlungsunfähigkeit der Unternehmensgruppe des Projektpartners. Aber trotzdem ist es möglich, dass steigende Gestehungskosten für Grundstücke und permanent anziehende Baukosten nicht ewig vom Markt akzeptiert werden.

Andererseits haben manche Marktbeobachter schon früher mit Pleiten von Exporo-Immobilienfundings gerechnet. Haben vermögende Finanziers im Hintergrund bislang drohende Insolvenzen abgewendet? Darüber spekulierten nicht wenige, die die Entwicklung von Exporo verfolgen. Sie gingen davon aus, dass der Crowd-Investor an die Börse drängt und auf dem Weg dahin jegliche Unruhe vermeiden will. Öffnet der Sündenfall jetzt die Schleusen? Weitere Pleiten sind nicht ausgeschlossen, räumt Exporo ein: „Exporo stellt hohe Anforderungen an die Projektentwickler und an jedes einzelne Projekt. Die Mitarbeiter, die bei Exporo prüfen, haben langjährige Erfahrungen im Real Estate- und Bankenbereich, und das Prüfungsverfahren ist dem einer finanzierenden Bank sehr ähnlich. Die volatile Natur des Projektentwicklungsgeschäftes kann allerdings vereinzelt zur Folge haben, dass finanziell solide Projekte von guten Projektentwicklern durch äußere, unvorhersehbare Einflüsse in Schieflage geraten.“

Wie gesagt, ein einzelner Griff ins Klo ist auch bei einem Marktführer keine Katastrophe. Bei Mindestbeteiligungen ab 500 Euro sollten Anleger in der Lage sein, ihren Einsatz auf mehrere Projekte zu verteilen und die Risiken somit zu streuen. Die Konsequenzen für die gesamte Immobilien-Branche sind jedoch nicht zu leugnen. So berichten selbst Anbieter von Immobilien-Anleihen darüber, dass ihre Kunden nervös nachfragen, was die Exporo-Pleiten für ihr eigenes, komplett anders gelagertes Investment bedeuten.

Als erstes sollten sie sich darüber im Klaren werden, dass niemand ein Immobilien-Investment komplett ohne Risiko anbieten kann. Das wäre ja auch völlig unlogisch – bei in Aussicht gestellten Renditen von im Schnitt sechs Prozent. Vielleicht sollten die Anleger darüber auch mal Small Talk halten. Auf dem Golfplatz zum Beispiel.