Auch wenn ich keine Lust habe auf dieses Thema – an Corona kommt in diesen Tagen keiner vorbei. Das Virus ist so gegenwärtig wie die leeren Klopapier-Regale bei Rewe, Lidl und DM. Die Kontaktsperre. Die verwaisten Spielplätze. Die südwärts zeigende Kurve des DAX. Seit dem 19. Februar verlor der Deutsche Aktien Index innerhalb von vier Wochen rund 40 Prozent. Der zügigste Verlust im Vergleich aller vorherigen Börsencrashs.

Wie immer reagieren die Immobilienmärkte mit Verzögerung. Doch wie? Wer innerhalb weniger Tage einen Großteil seiner Altersvorsorge verloren hat, wird kaum über langfristige Investments nachdenken. Oder doch? Anbieter geschlossener AIF berichten von Anrufen vermögender Kunden, die gerade vor den Erfahrungen der crashenden Börse einen Teil ihres Kapitals in Sachwerte investieren wollen. Und damit meine ich New-Energy-Anlagen ebenso wie Immobilien.

Wobei Immobilie nicht gleich Immobilie ist. Für ein Hotel-Investment fehlt mir derzeit die Phantasie. Ausgangsbeschränkungen, Reiseverbot, geschlossene Restaurants – die komplette Tourismusbranche ist arg gebeutelt. Kein Wunder, dass sie nach staatlicher Hilfe ruft. Übel erwischt hat es auch den Einzelhandel. Wer nicht gerade Lebensmittel und Toilettenpapier verkauft, muss den Laden schließen. Hoffentlich halten die betroffenen Händler durch. Gut möglich, dass ihr Geschäft später wieder brummt, dass die Menschen nach der erfolgreichen Bekämpfung des Virus erst recht wieder analog shoppen gehen wollen, mit Schaufensterbummel, Besuch im Eiscafé und Beratung in den Geschäften.

Dennoch scheinen die Online-Händler auf der Gewinnerstraße – und mit ihnen die Eigentümer von Logistikimmobilien. Denn auch wer sich bislang Amazon und Co. verweigert hat, kommt an dem digitalen Versandhandel nicht vorbei, wenn er andere Dinge benötigt als Lebensmittel und Hygieneartikel. Die Digitalisierung verändert ebenfalls den Bedarf an Büroimmobilien. Firmen erkennen, dass ihre Mitarbeiter auch im Homeoffice kreativ sein können. Allerdings dürften sich die Homeworker ihr Büro schneller zurückwünschen als gedacht. Der Schreibtisch in den eigenen vier Wänden sollte nur eine Notlösung sein – auch wenn die Kita wieder geöffnet hat. Vielleicht profitieren aber auch neue Konzepte von der aktuellen Lage. Stichwort Coworking.

Die Globalisierung steht vor einem Paradigmenwechsel. Nun rächt sich, dass Deutschland und andere europäische Länder nicht nur die Herstellung von Massenware wie Atemschutzmasken nach Asien ausgelagert haben, sondern außerdem die Produktion von lebenswichtigen Medikamenten. Die Autobauer schalten die Fließbänder ab, weil ihnen die Ersatzteile aus Fernost ausgegangenen sind. Eine Korrektur dieser Entwicklung erscheint realistisch.

International ging es vor kurzem auch auf den Baustellen zu. Bau- und Subunternehmer ließen die Gebäude in der Hauptsache von Arbeitskräften aus Polen, Bulgarien und Rumänien errichten. Die geschlossenen Grenzen dürften hier für Stillstand sorgen. Auch, weil Stahl und andere Materialien aus der asiatischen Produktion fehlen.

Ein Fragezeichen steht hinter der Nachfrage am Wohnungsmarkt. Zwar sinken die Zinsen auf ein Rekord-Tief, was für den Kauf einer Eigentumswohnung oder des Eigenheims spricht. Doch wer unsicher ist, wie sich die Krise auf seine persönliche Arbeits- und Einkommens-Situation auswirkt, wird solch einen Schritt erst einmal verschieben. Nicht unrealistisch, dass hierdurch Luft aus dem Ballon gelassen wird. Von einer Blase möchte ich in diesem Zusammenhang nicht sprechen.

Institutionelle Investoren sind durch die crashenden Börsen in Handlungszwang geraten. Die gesunkenen Aktienkurse erhöhen die Immobilienquote im Portfolio – oft über die erlaubten Grenzen hinweg. Sollten die Großanleger deshalb ihre Immobilien verkaufen, könnte das gestiegene Angebot die Preisspirale abwärts in Gang setzen. Ich glaube aber, dass sich solche Fire-Sales in Grenzen halten.

Entscheidend wird sein, wie lange wir die Ausnahme-Situation aushalten müssen. Verhalten Sie sich vernünftig – und bleiben Sie gesund.