Bertelsmann-Studie errechnet regionale Einkommensverluste

Fristverlängerung für Großbritannien. Neuer Stichtag ist der 12. April. Hat die britische Regierung bis dahin noch immer keinen Plan, droht der ungeregelte Brexit, der Chaos-Brexit. Verrückt, oder? Obelix hat es gewusst: Die spinnen, die Briten. Aber egal, ob geregelt oder chaotisch – tritt Großbritannien endgültig aus der Europäischen Union aus, sind die Konsequenzen gravierend, nicht nur für die Briten selbst. Die Bertelsmann-Stiftung hat untersucht, welche Folgen auf die verschiedenen Regionen Europas und Deutschlands zukommen, und das ist ziemlich erschreckend.

„Ein Brexit würde den Handel mit Waren und Dienstleistungen verteuern, die Unsicherheit vergrößern. Das drückt Wettbewerb, Konsum und Investitionen – insbesondere bei einem ausbleibenden Abkommen“, schreiben die Macher der Untersuchung und beziffern die Einkommensverluste für die Menschen in Kontinentaleuropa bei einem harten Brexit auf 40 Milliarden Euro pro Jahr. Die Briten selbst müssten ihren Alleingang mit einem Schaden von umgerechnet 57 Milliarden Euro pro Jahr bezahlen – rund 900 Euro pro Einwohner.

Doch auch hierzulande wird es teuer. Nach Schätzungen der Bertelsmann-Stíftung müssten sich die Deutschen auf Einkommensverluste in Höhe von rund zehn Milliarden Euro pro Jahr und 115 Euro pro Person einstellen. Das wären nach Großbritannien die zweithöchsten Verluste in der EU. Besonders betroffen wären die Regierungsbezirke Düsseldorf, Köln und Oberbayern mit Einkommensverlusten von 520 bis 650 Millionen Euro pro Jahr.

Je wichtiger die Handelsbeziehungen zwischen einer Region mit Großbritannien ausgeprägt sind, desto höher fallen die Verluste aus. Das gilt beispielsweise für Nordrhein-Westfalen: Dort ist Großbritannien nach den Niederlanden und Frankreich die wichtigste Export-Region. Düsseldorf wäre am stärksten betroffen.Hier rechnen die Autoren mit Einkommensverlusten von insgesamt 650 Millionen Euro pro Jahr – dies entspricht rund 126 Euro pro Einwohner. In Oberbayern mit dem Großraum München wären es 115 Euro pro Kopf und in und um Stuttgart 116 Euro. Die niedrigsten Verluste würden bei einem harten Brexit auf die Regionen Trier mit 50 Millionen Euro jährlich und Leipzig mit 76 Millionen Euro entfallen.

Zwar würde ein vertraglich geregelter Brexit die negativen Folgen abschwächen – die Macher der Studie zeigen, dass sich in diesem Fall die Einkommensverluste für Deutschland auf fünf Milliarden Euro halbieren könnten. 

Wir sollten uns deshalb spätestens jetzt darauf einstellen, dass die Immobilienmärkte hierzulande unter einem Abschied der Briten leiden. Denn neue Zölle im Binnenmarkt würden Waren und Dienstleistungen verteuern. Der schwächere Handel mit Großbritannien dürfte zu Preisaufschlägen führen, der Wettbewerb um die besten Produkte in Europa ginge in vielen Branchen zurück. Fehlen Anreize für neue Investitionen und Innovationen, würde die Produktivität von Unternehmen langsamer wachsen. In der Folge rechnen die Bertelsmann-Analysten damit, dass die Preise steigen und die Löhne stagnieren.

Ein Schreckens-Szenario für unsere Immobilien-Märkte: Unternehmen müssten Mitarbeiter entlassen. Büro- und Produktionsflächen wären überflüssig. Die Mieten sinken und damit auch die Preise für Gewerbeimmobilien. Der Wohnungsmarkt dürfte nachziehen. Ob die erwartete Nachfrage von Brexit-Flüchtlingen zum Beispiel nach Frankfurt zumindest in der Rhein-Main-Region ausgleichend wirkt, ist fraglich. Die Bayern und NRW bekommen eh davon nichts ab.  Also, liebe Briten, Ihr seht: Ihr habt Euch von Populisten für dumm verkaufen lassen, und das wird teuer, auch für uns. Schaltet deshalb endlich euren Bauch aus, euer Hirn ein und macht den Brexit rückgängig. Zeigt, dass Obelix falsch lag.