Die interessantesten Neuigkeiten werden meistens hinter vorgehaltener Hand geflüstert. So wie kürzlich auf der Expo Real. „Amerika ist für uns erst mal kein Thema.“ Warum? „Aus politischen Gründen. So lange Donald Trump Präsident ist, werden wir dort nicht investieren.“ Tolles Zitat. Leider nicht mit Quelle zu veröffentlichen. „Nennen Sie bloß nicht meinen Namen. Sonst bin ich meinen Job los.“

Der lange Arm des US-Präsidenten reicht bis weit nach Europa. Er hält nicht nur Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen im Iran am Kragen, sondern beschneidet offenbar auch die Möglichkeiten internationaler Immobilieninvestoren. Denn natürlich eignen sich die USA weiterhin als Diversifikation im Portfolio institutioneller und privater Kapitalanleger. Die Wirtschaft präsentiert sich in guter Verfassung, Büroflächen sind ebenso gefragt wie Mietwohnungen und der Dollar gehört als Währungsdiversifikation sowieso in jedes breit gefächerte Depot. Vielleicht beruhigt ja das Ergebnis der Midterm-Wahlen Anbieter wie Anleger gleichermaßen. Immerhin zeichnet sich ab, dass die amerikanische Politik mit der Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus wieder berechenbarer wird. Stichwort Checks and Balances.

Unabhängig vom Ausgang der Wahlen erkennen manche Unternehmen die Chancen der Vereinigten Staaten für ihre Kunden gerade jetzt. US Treuhand zum Beispiel hat seit mehr als zehn Jahren den ersten Publikumsfonds aufgelegt. Private Kapitalanleger beteiligen sich an einem Bürogebäude in Las Vegas. Ein Standort, der erklärungsbedürftig ist, denn bei Las Vegas denken wir an Casinos und Hotels und nicht unbedingt an Büros. Kann trotzdem ein rentables Investment sein.

Ungeachtet aller politischen Entwicklungen hat eine Reihe von Anbietern privaten und institutionellen Kapitalanlegern seit Jahren durchgängig Investitionen auf dem US-Immobilienmarkt ermöglicht. Zum Beispiel TSO DNL. Vor wenigen Wochen verlängerte die BaFin den Vertrieb des aktuellen Angebots „Active Property II“ in der Struktur nach dem Vermögensanlagegesetz um ein weiteres Jahr. Marktführer Jamestown aus Köln hat seinen jüngsten AIF mit 572 Millionen Dollar Eigenkapital erst kürzlich geschlossen. Knapp 10.000 Anleger beteiligten sich am „Jamestown 30“.  An vermögende Investoren richtet sich das aktuelle Angebot der Münchner BVT. Ab drei Millionen Dollar beteiligen sie sich am bereits zwölften Fonds der „Residential Serie“ und finanzieren Mietwohnungen zum Beispiel in Boston, Washington D.C. und Orlando. Über Joint-Venture-Gesellschaften haben die elf Vorgänger mehr als 1,1 Milliarden Dollar in den US-Wohnungsmarkt investiert.

Gegenläufig ist der Trend bei den offenen Immobilienfonds. Investierten sie im Jahr 2016 noch rund ein Drittel des gesamten Volumens in den USA, waren es im vergangenen Jahr nur noch 16 Prozent. Die Ratingagentur Scope sieht den wesentlichen Grund dafür jedoch weder in politischen noch wirtschaftlichen Entwicklungen, sondern in gestiegenen Kosten für die Währungsabsicherung. Das trifft allerdings nach meiner Auffassung nur für die global investierenden Fonds zu. Die Zinsen in den USA sind inzwischen erheblich höher als im Euroraum, was die Rentabilität der Immobilien-Deals in Amerika schmälert. Dennoch summierten sich die Investitionen der offenen Immobilienfonds in den USA 2017 immer noch auf umgerechnet knapp 1,5 Milliarden Euro. Wie schwer es reine US-Fonds im Vertrieb haben, zeigt hingegen der DekaImmobilien Nordamerika. Die ansonsten von einem Absatzrekord zum nächsten eilende Immobilienfondstochter der Sparkassen konnte in einem Jahr lediglich rund 26 Mio. Dollar neu an ihre Kunden platzieren.