Trump polarisiert Amerikaner und Ausländer – Gelegenheit für antizyklische Investoren?

Die USA disqualifizieren sich gerade als Investitions-Standort für internationale Immobilienkäufer. Beispiel offene Immobilienfonds: Im Jahr 2016 legten sie nach Informationen der Ratingagentur Scope noch mehr als ein Drittel ihres zugeflossenen Kapitals in Amerika an. Seitdem geht es bergab. Nach knapp 13 Prozent 2018 waren es nur noch drei Prozent im vergangenen Jahr. Zwar erklären die Fondsmanager die Entwicklung mit einem deutlich unterschiedlichen Zinsniveau im Dollar- und Euro-Raum, das zu hohen Hedging-Kosten führt. Nach Kosten und Steuern sind Investments in Europa offensichtlich lukrativer. Doch das wird nur die halbe Wahrheit sein.

Vor allem schreckt der Mann im Weißen Haus die internationalen Investoren ab. Das ist das Fazit einer Reihe von Gesprächen zum Beispiel mit institutionellen Investoren wie Versicherern und Pensionskassen. Und zwar aus einer Vielzahl von Gründen, wobei die unglaubliche Inkompetenz des Präsidenten und seiner rückgratlosen Administration in der Corona-Krise als erstes genannt werden muss. Solch eine Dummheit und Ignoranz mit ihren tödlichen Folgen für die eigene Bevölkerung hätten wir uns in Nordkorea vorstellen können, aber nicht in den USA. Täglich stecken sich derzeit 50.000 Menschen neu mit Corona an, und Gesundheitsexperte Anthony Fauci hat Angst davor, dass sich die Zahl sogar verdoppelt. Logisch, dass deutsche und andere internationale Investoren keine Lust haben, in die USA zu reisen, um sich potenzielle Investitionsobjekte vor Ort im Corona-Hot-Spot anzuschauen. Zumal diejenigen, die sich mit einer Maske vor dem Virus schützen wollen, noch befürchten müssen, vom Trump-Fanclub angemacht zu werden.

Kaum anzunehmen, dass die Wirtschaft in absehbarer Zeit wieder anspringt. Rund 18 Millionen Amerikaner sind weiterhin ohne Job. Unzählige andere müssen Lohnkürzungen hinnehmen. Die Mittelschicht erodiert weiter. Das düngt den Nährboden für Unzufriedenheit. Kein Wunder, dass die Amerikaner gerade jetzt aufstehen, um den vergangenen und gegenwärtigen Rassismus anzuprangern. Dabei treffen sie auf einen Präsidenten, der nicht versucht, sein Land in der Krise zu einen, sondern der die Situation missbraucht, um seine moralisch fragwürdigen Stammwähler anzustacheln. Nichts ist diesem Mann wichtiger als eine zweite Runde im Karussell mit dem Namen Weißes Haus. Diesem Ziel unterwirft Trump alles und vernachlässigt dabei seinen eigentlichen Job: Die USA politisch zu führen. Sollte das Land komplett außer Kontrolle geraten, dürfte sich niemand wundern.

Oder ist das zu pessimistisch gedacht? Bieten sich vielleicht ausgerechnet jetzt Gelegenheiten für antizyklische Investoren? Immerhin zeichnet sich vielleicht ein Ende der Schreckensherrschaft ab. Die Zahl der Unzufriedenen steigt. Noch funktioniert die Demokratie in den USA. Vieles spricht für einen Sieg des Herausforderers Joe Biden bei der Wahl im November. Darauf verlassen sich offenbar auch die Anbieter von Publikums-AIF mit US-Immobilien-Investitionen für private Kapitalanleger. Die Zahl der aktuell im Vertrieb befindlichen Fonds ist erstaunlich hoch. So wie die Nachfrage der Privatanleger. DNL Exclusive Opportunity sammelt Kapital ein, um Immobilien im Südosten der USA zu kaufen. Die Anbieter TSO Europe und United Investment Partners ebenfalls. BVT finanziert den Bau von Wohnanlagen mit Eigenkapital deutscher Anleger, und Jamestown musste den Vertrieb seines aktuellen Fonds sogar nach wenigen Wochen pausieren, um die rund 320 Millionen eingesammelten Dollar erst einmal zu investieren. Auch institutionelle Großanleger finden Investitionsmöglichkeiten. Mit dem neuen Club Deal „Chicago“ von Deutsche Finance beteiligen sie sich an einer Büroimmobilie mit 45 Stockwerken im CBD der Stadt. Allerdings sprechen diese Beteiligungshäuser primär Investoren an, die ohnehin schon im US-Dollar investiert sind und dort bleiben wollen.

Also, was tun? Vielleicht helfen schlaue Sprüche legendärer Investoren weiter. Zum Beispiel von André Kosztolany: „Falsche Nachrichten sind gefährlich, aber falsche Auslegung richtiger Nachrichten ist noch gefährlicher.“ Oder von John Maynard Keynes? „Es gibt nichts, was so verheerend ist, wie ein rationales Anlegerverhalten in einer irrationalen Welt.“ Hilft nicht so richtig, oder? Aber der hier von Warren Buffet bestimmt, immerhin der erfolgreichste Investor aller Zeiten: „Eine Meinungsumfrage ersetzt nicht das selbstständige Denken.“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Gedanken. Und sprechen Sie uns gerne an, wenn wir beim Nachdenken helfen können.