Seit dem 3. Januar 2018 gilt eine neue Finanz-Richtlinie der Europäischen Union, die auch Auswirkungen auf das Geschäft mit Fondsanteilen hat. MiFID II ist die konsequente Weiterentwicklung einer bereits 2004 durch die EU beschlossenen Vorschrift zur Harmonisierung der europäischen Finanzmärkte.

MiFID – das steht für Markets in Financial Instruments Directive. Ursprüngliches Ziel der Richtlinie war es, die Finanzmärkte transparenter zu machen und europaweit zu integrieren, um Wertpapiere effizient und kostengünstig zu handeln. Die Finanzkrise aus dem Jahr 2008 verdeutlichte die Schwächen dieser Verordnung. Sie manifestierten sich in neuen Technologien und Finanzprodukten bei gleichzeitig großen Ermessensspielräumen der EU-Mitgliedstaaten. Die daraus resultierende Novelierung wurde unter dem Begriff MiFID II verabschiedet, um Lücken zu schließen, die der Vorgänger gelassen hatte.

Auch wenn die Umsetzung in Deutschland zum 3. Januar 2018 zunächst nur im Wertpapierhandelsgesetz erfolgte, das für Banken und Finanzdienstleistungsinstitute gilt, so müssen dennoch auch freie Finanzvermittler nach Paragraph 34f der Gewerbeordnung einige Vorgaben zwingend beachten. Daher wird die entsprechende Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) derart geändert, dass sich die MiFID II-Vorschriften darin wiederfinden. Das betrifft unter anderem Informationen zur Anlageberatung, die Offenlegung von Provisionen und Kosten sowie eventuelle Interessenkonflikte.

Nach MiFID II sind Provisionen im eigentlichen Sinne sogar unzulässig, werden aber akzeptiert, sobald der Vermittler eine erhöhte Beratungsqualität nachweisen kann. Stellt er zum Beispiel klar, dass er seine Anlageempfehlung aus diversen Wahlmöglichkeiten innerhalb einer Datenbank ausgesucht hat, darf er weiterhin Provisionen kassieren. In diesem Fall sind die Bankberater und freien Vermittler jedoch verpflichtet, ihren Kunden gegenüber die Provisionen bis auf den letzten Cent offenzulegen und über laufende Bestandszahlungen jährlich zu informieren.

Auch die Beratung läuft unter MiFID II anders als zuvor. Das bislang übliche Beratungsprotokoll etwa wird durch eine Geeignetheitserklärung ersetzt. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich ein Nachweis, aus dem hervorgeht, wie der Vermittler seine Anlageempfehlung auf jeden Kunden individuell zugeschnitten begründet. Ob Finanzvermittler, wie nun bei Bankberatern vorgeschrieben, ebenfalls die Telefonate mit ihren Kunden aufzeichnen und mindestens fünf Jahre speichern müssen, ist noch nicht abschließend geklärt. Bereits jetzt, wenige Tage nach Einführung der überarbeiteten MiFID-Richtlinie, berichten vor allem kleinere Banken, dass die Telefon-Protokolle mit einem unerwartet hohen technischen Aufwand verbunden sind.

Umdenken müssen auch die Anbieter von geschlossenen Publikumsfonds. So sind sie ebenfalls verpflichtet, ihre Kosten und Gebühren zum Beispiel aus einem Immobiliengeschäft ihren Anlegern gegenüber erheblich detaillierter offenzulegen als bislang. Darüber hinaus müssen sie bereits bei der Konzeption ihrer Produkte den geeigneten Zielmarkt definieren. Sie verpflichten sich, frühzeitig zu bestimmen, wer zum potenziellen Kundenkreis zählt. Sonst droht ihnen ein Verkaufs-Stopp.

Da zahlreiche Anbieter von Sachwertebeteiligungen in der Hauptsache mit freien Vermittlern zusammenarbeiten, dürften sie gespannt sein, welche MiFID-Regeln in die FinVermV übernommen werden. Die damit verbundene Bürokratie sollte vor allem die Einzelkämpfer unter den freien Vermittlern überfordern. Sie werden sich Haftungsdächern oder Maklerpools anschließen oder das Geschäft aufgeben. Schon jetzt schrumpft das Heer der freien Vermittler von Sachwertebeteiligungen, die im Register des Deutschen Industrie- und Handelskammertages erfasst werden. Wer einen geschlossenen AIF vertreiben will, benötigt eine Genehmigung nach Paragraph 34f Nr. 2. Seit Dezember 2014 ist die Zahl der betreffenden Berater von knapp 11.000 auf aktuell rund 9.300 zurückgegangen.

Die Anbieter von offenen Publikumsfonds haben die neuen Regeln in den letzten Tagen vor Weihnachten mit langen Rundschreiben implementiert. Sie müssen, wie alle Wertpapierfonds, die Voraussetzungen der Kostentransparenz künftig doppelt erfüllen. Vor dem Abschluss („ex ante“) muss der Vermittler den Kunden über die voraussichtliche Gesamtkostenbelastung seiner Anlage informieren. Das wird dann einmal jährlich nachträglich mit den Depotkontoauszügen („ex post“) über die tatsächlich belasteten Kosten verglichen.

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